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Sagen






Das Kobelchen von Großkagen

Ein Bauer in Großkagen hat ein Kobelchen (Kobold) gehabt. Niemand durfte es wissen. Eines Tages mußte er verreisen. Zu seinem Pferdejungen sagte er: "Räume in der Scheune auf! Laß aber das Dachsfell liegen, das am Balken hängt!" Wie nun Jungen einmal sind: Gerade weil es der Bauer verboten hatte, nahm der Junge das Fell herunter. Im selben Augenblick fingen die Kühe an zu brüllen, es polterte in Küche und Keller, der Junge lief eilends hin. Nichts zu sehen, nichts zu hören! Kaum hatte er den Rücken gewendet, so bekann der Spuk von neuem. Das dauerte so lange, bis der Bauer heimkehrte. Das Dachsfell war des Bauern Kobelchen gewesen. (aus DER GESPENTIGE MÖNCH Altis-Verlag)


Die blaue Schürze von Nimtitz

Als die Herrscher es noch liebten, wie die Chronik uns erzählt, selber sich zu überzeugen, wo's dem kleinen Manne fehlt, ging auch mal von Meißen kommend, Sachsens Churfürst über Land; ohne jeden Hofstaat reisend, ahnte niemand seinen Stand.



Sah der Felder reichen Segen, sah der Wiesen bunte Pracht, sah in Ställe und Gehöfte und was der Bauer sonst noch macht. Freute sich an solchen Maße, das zur Heimkehr es zu spät - obdachlos auf weiter Straße, ratlos Sachsens Churfürst steht.



Wie der hohe Herr noch grübelt, tritt ein Frauchen auf ihn zu: " Fremdling, es beginnt zu dunkeln, Mensch und Tier sehnt sich nach Ruh. Dünkt mein Haus euch nicht zu simpel, tretet ein und ruht euch aus; für ein Nachtmahl und das Lager sorgt mein Sohn, kommt er nach Haus."



Und der Churfürst ist geblieben, hat sich herrlich amüsiert, denn der Landmann ist gar pfiffig, weiß was in der Welt passiert. Als er dann am and'ren Morgen von den lieben Menschen schied, ihre derben Hände schüttelnd, sprach er: "Ein Familienglied



kann nicht reich beglückter gehen, als der Fremde es jetzt tut - habt ihr etwas auf dem Herzen, sagt's, ich kenn den Churfürst gut! Hier sein Bild auf zwei Dukaten, nehmt sie und erfreut euch dran: den ihr aufgenommen, ist just ganz derselbe Mann.



Eure Wirtschaft ist ganz leidlich, doch ein Gasthaus nährt noch mehr; das es niemand euch bestreite, reicht mir Blatt und Feder her. Was ich heut gentag's verbriefe, sei als Vorrecht euch verlieh'n wandermüde zu erquicken, die durch diese Ortschaft zieh'n.



Das man auch für alle Zeiten von der ersten Wirtin spricht, die trotz ihrer blauen Schürze mehr verstand was Christenpflicht, als so manche Hochgestellte, der nur gibt, wenn man es sieht, heißt das Haus "ZUR BLAUEN SCHÜRZE"! Jeder der vorüberzieht



und verlangt einmal zu rasten, finde was sein Herz begehrt. Solches hab ich heut verordnet, das mein Volk danach verfährt." - Das Papier den Leuten lassend, ging der edle Churfürst fort. Heute noch ehrt jeder Sachse, der hier weilt, dies Fürstenwort



und erfreut sich, das kein Prachtbau ihn um all Stimmung bringt, das kein Grammophon hier schmettert, das der Vögel Sang verschlingt. Poesie-umwob'nes Kneibchen, "BLAUE SCHÜRZE" sei gegrüßt! Wen du einmal festgehalten, dauernd in sein Herz dich schließt.



Frieden atmet jeder Winkel - halb geöffnet steht das Tor und mir ist's, als müßt ich warten, bis der Churfürst tritt hervor, bis in jenen zwei Dukaten wieder blitzt der Sonne Glanz, daß ein neues Blatt sich füge in der Heimat Sagenkranz!



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